Das Zeichen der Isis - Leseprobe (Seite 1 von 3)


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Tore zu neuen Welten


Ich bin ISIS die Große, diejenige, die war, die ist und die sein wird in ewigen Zeiten. Kein Sterblicher vermag meinen Schleier zu heben.

Worte der Isis im Tempel zu Sais


Sommertage

»Stimmt es, Lydia? Dein Schwager ist auf dem Weg nach Pompeji?«
Die alte Tullia musterte mich erwartungsvoll, während sie meiner Sklavin Numira zwei Brote über den Verkaufstresen reichte.
»Woher weißt du das schon wieder?«
Kopfschüttelnd zog ich das Tuch, in dem ich meinen kleinen Sohn vor der Brust trug, fester um die Schultern.

Zum ersten Mal seit seiner Geburt kümmerte ich mich wieder selbst um die Einkäufe.
Natürlich hätte ich Numira auch allein schicken können, aber ich genoss die Lebendigkeit der kleinen Gassen, in denen sich neben Garküchen und Handwerksbetrieben ein Laden an den anderen reihte.
Aber vor allem wollte ich den neuesten Klatsch hören.



Tullia lächelte. »Du weißt doch, ich höre viel.«
»Und du redest noch viel mehr«, gab ich schnippisch zurück.
Dabei starrte ich gebannt auf ihr schadhaftes Gebiss, das sie so freimütig entblößte.
Die alte Bäckerin lachte.
Sie wusste, was man sich über sie erzählte.
Ihre Klatschgeschichten waren ebenso frisch wie ihre Brote.

»Nun sag, wann erwartet ihr seine Ankunft?«
»Irgendwann in den nächsten Tagen, je nachdem, wie günstig die Winde stehen. Das Schiff soll vor gut zwei Wochen ausgelaufen sein.«
»Er ist ein bedeutender Mann geworden. Befehlshaber in der alexandrinischen Stadtwache.«
Tullia pfiff anerkennend durch ihre Zahnlücke.
Sie hatte das Benehmen eines Fuhrknechts, aber ich mochte sie gern.

»Es ist nur eine Zenturie, der er vorsteht«, wehrte ich ab.
»Immerhin. Ich erinnere mich noch an ihn, als er so klein war.«
Sie hielt die rechte Hand in Höhe ihrer breiten Hüften.

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