Die Reise der Sündenheilerin - Leseprobe (Seite 1 von 2)


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Tore zu neuen Welten


Prolog

„Erhabener!“ Yusuf warf sich vor seinem Herrn zu Boden, als würde er zu Allah beten. Khalil lächelte. Er liebte es, wenn seine Männer ihm die rechte Demut zeigten. Dafür war er sogar geneigt, Yusuf die frühe Störung zu verzeihen. Durch die Fenster des Palastes fielen die ersten hellen Sonnenstrahlen herein und spiegelten sich in den kostbaren Gläsern und goldenen Schüsseln, die vor Khalil aufgereiht auf einem Tischchen standen. Das Frühgebet lag hinter ihm, nun wollte er sich dem Morgenmahl widmen. Ein schwarzer Sklave stand in der Ecke und schwenkte einen großen Fächer aus Straußenfedern. Zu Khalils Füßen kniete ein junges Mädchen, das ihm Tee einschenkte.
„Bringst du gute Neuigkeiten?“
Yusuf richtete den Oberkörper auf, blieb aber auf Knien. „Es gibt eine Spur nach Djeseru-Sutech.“

Khalils Lächeln schwand. Seit Jahren wartete er darauf. Träumte davon, die verborgene Stadt in der Wüste zu finden, in der heidnische Völker seit Jahrhunderten unermessliche Schätze angehäuft haben sollten.



Jedenfalls versprachen das die Legenden, und Khalil war geneigt, ihnen zu glauben. Es gab viele Hinweise, auch wenn ihn bislang keines dieser Gerüchte zum Ziel geführt hatte.
„Wo?“
„Im Haus des Mikhail von Alexandria.“
„Im Haus des Mikhail“, wiederholte Khalil bedächtig. Er griff nach dem Teeglas und trank einen Schluck.
„Zu dumm, dass sein Anwesen so gut geschützt ist. Es wird uns schwerfallen, unbemerkt dort einzudringen. Und für einen Überfall ist es noch zu früh. Mikhail hat viele einflussreiche Freunde.“
„Ja, Herr. Und es gibt eine weitere Schwierigkeit.“
Yusuf bedachte seinen Herrn mit einem sorgenvollen Blick.
„Es heißt, Mikhails Enkel werde in nächster Zeit zurückerwartet.“
„Philip!“
Khalil sprang auf und schleuderte sein Teeglas gegen die Wand. Die kleine Sklavin zu seinen Füßen zuckte zusammen, der fächelnde Mohr geriet ins Stocken, nur Yusuf kniete weiterhin unbeeindruckt vor seinem Herrn.
„Ist dieser ungläubige Hund etwa am Leben?“, brüllte Khalil.

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