Die Sündenheilerin - Leseprobe (Seite 1 von 2)


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Tore zu neuen Welten


Prolog

Regungslos verharrte der Reiter zwischen den Bäumen. Nur sein Pferd schnaubte und scharrte ungeduldig mit den Hufen. Von der nahen Straße trug der Wind den Klang zahlreicher Glöckchen herüber. Er hörte das fröhliche Gelächter, die Hochrufe auf das Brautpaar. Dann sah er sie.
Es war ein prächtiger Hochzeitszug, an der Spitze die Musikanten, dahinter hoch zu Ross die Frischvermählten. Der Bräutigam auf einem kräftigen Fuchs, seine junge Frau auf einem zierlichen Schimmel.
Die Braut strahlte. Ihr helles Haar leuchtete, als würde die Sonne darin baden.
Er seufzte. Es hatte eine Zeit gegeben, da war er selbst auf solchen Festen willkommen gewesen. Er stellte sich vor, wie die Dienerschaft schon seit Tagen das Hochzeitsmahl vorbereitet haben mochte. Gebratene Kapaune, Fasane, vielleicht sogar ein ganzer Ochse, dazu Berge von Pasteten, frisches Brot und natürlich nur der beste Wein. Ohne dass er es wollte, stieg eine alte Sehnsucht in ihm auf.
Die Braut lachte. Ein fröhliches, unbeschwertes Lachen, das sich mit dem Klingeln der Glöckchen mischte.



Sie war ein schönes Mädchen, so lebendig, so voller Kraft. Für einen Moment spürte er tatsächlich so etwas wie Bedauern, doch sofort schüttelte er das lästige Gefühl ab.
Ein Blick zur Seite verriet ihm, dass seine Männer bereit waren. Soeben bogen die Musikanten in das kleine Waldstück ein. Sein Pferd warf unruhig den Kopf hoch.
„Jetzt!“ Sein Schrei ging im Kampfgebrüll seiner Männer unter. Brutaler Abschaum, genau dafür schätzte er sie. Wild trieb er sein Pferd an, ritt einen halbwüchsigen Knaben nieder, hörte ihn schreien, als die Knochen knackten. Er galoppierte vorbei an kreischenden Frauen, die durch einen einzigen Schwerthieb für immer verstummten.
Ringsum ließen seine Männer Äxte und Schwerter tanzen, warfen sich über die Ahnungslosen, erdrückten den Widerstand allein durch ihre bloße Übermacht.
Die junge Braut starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Ihr Gatte versuchte noch, das Schwert zu ziehen, doch er ließ ihm keine Zeit dazu. Ein einziger, gut gezielter Hieb trennte ihm den Kopf von den Schultern. Hellrotes Blut spritzte auf die Braut, durchnässte ihr Hochzeitsgewand, während sie sich hilflos an der Mähne ihres Pferdes festkrallte.

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